Das Arbeitsgebiet der Neonatologie, also die medizinische und pflegerische Versorgung von Neu- und Frühgeborenen, ist in den letzten Jahren großen Veränderungen und Herausforderungen ausgesetzt. Stichworte wie Sanfte individuelle Pflege, Känguruh – Pflege und natürlich die zunehmende Präsenz der Eltern auf den Stationen haben den Pflegealltag sehr verändert.
In Folge hat sich nicht nur die Rolle der Kinderkrankenschwester, sondern auch die der anderen Akteure des Teams, sowohl auf der neonatologischen Intensivstation als auch auf den peripheren Stationen gewandelt.
Die Eltern sind immer wichtiger und präsenter geworden und gelten schon lange nicht mehr als unerwünschte Eindringlinge, sondern als gern gesehene und unentbehrliche „Mitarbeiter“. Auch auf der Intensivstation werden bestimmte Bereiche pflegerischen Tuns an die Eltern abgegeben.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die qualifizierte und situationsgerechte Beratung weiterhin an Bedeutung. Aus der Kinderkrankenschwester ist zusätzlich zum pflegerischen Tätigkeitsfeld eine kompetente Beraterin geworden. Es gilt die Eltern frühzeitig in die Lage zu versetzen, die Versorgung ihres Kindes zu großen Teilen selbst zu übernehmen. Die Eltern sollen soweit wie möglich die Hauptpersonen bei der Pflege und Versorgung ihres Kindes sein.
Konzeption und Etablierung eines innovativen Konzeptes Erstmalig in der Neonatologie wurde an der Charite Campus Virchow vor über 10 Jahren eine integrierte Elternberatung entwickelt. Hier arbeiten Kinderkrankenschwestern, die sich ausschließlich mit der psychosozial – pflegerischen Begleitung und Beratung der Eltern der Frühgeborenen und kranken Neugeborenen beschäftigen.
Die Belastungen dieser Eltern sind gut dokumentiert und wissenschaftlich erfasst. Ziel der elternzentrierten Arbeit ist es, den Eltern bei der Bearbeitung der Krise Frühgeburt, Krankheit oder Behinderung des Kindes zur Seite zu stehen, um sie in die Lage zu versetzen, Bewältigungsstrategien und Handlungskompetenz zu entwickeln.
Über die regelmäßigen pflegerischen und ärztlichen Gespräche hinaus ist die Elternberatung zu einem Schwerpunkt in der neonatologischen Klinik geworden.
Vorgehensweise Die Eltern werden durch präpartale Informations- und Gesprächsangebote frühzeitig und behutsam an die Situation herangeführt. Nach der Geburt des Kindes wird eine frühe Kontaktaufnahme angestrebt. Die Anbahnung früher Bindungsprozesse zwischen Eltern und Kind soll unterstützt werden.
Die Eltern werden mit Informationen sowohl auf der Beziehungs- als auch auf der Sachebene ihr Kind betreffend versorgt. Während des stationären Aufenthaltes des Kindes steht den Eltern ein umfangreiches Angebot an Beratung und Gesprächen zur Verfügung. Die Vorbereitung auf die Entlassung, den Übergang in die häusliche Situation ist ein weiterer Schwerpunkt im Betreuungskonzept. Frühgeborenen-Gruppen stehen den Eltern auch nach der Entlassung des Kindes zur Verfügung.
Fazit Mit dem Angebot der emotionalen Entlastung und dem Vermitteln von Fachinformationen soll das Stresserleben der Eltern gesenkt werden, die emotionale Befindlichkeit verbessert werden. Das ist die Voraussetzung für die Entwicklung einer qualitativ guten und sicheren Eltern – Kind – Bindung, die eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung des Kindes ist. Und auch die Grundlage für eine frühzeitige Entlassung des Kindes in die häusliche Umgebung.